Echo of Memories 

Künstlerischer Dialog zwischen Israel und Deutschland

Projektträger: 

Gedächtnisbilder e.V. – Gesellschaft zur Erinnerungskultur in der Kunst von Frauen, vertreten durch die Vorsitzende Dr. Ilka Wonschik
www.gedaechtnisbilder.com

Kuratorin: Dr. Ilka Wonschik, Kunsthistorikerin

Co-Kuratorin: Cornelia Renz, Künstlerin

Berater: Hagai Segev, Kunsthistoriker, unabhängiger israelischer Kurator, Berater für Museen, Mitglied von öffentlichen Ausschüssen des israelischen Kulturministeriums 

 

 

Projektidee: 

Erinnerungen sind ein fragiler Bewusstseinsakt, bei dem auch Vergessen und Verdrängen eine wichtige Rolle spielen. Ausgelöst werden sie durch bewusste oder unbewusste Erinnerungsmechanismen, wie beispielsweise durch visuelle Reize, Bewegungen, Berührungen, Klänge oder Gerüche. 

Die Geburtsstunde von Werken, die sich mit Erinnerung beschäftigen, ist ein bestimmtes Ereignis, das den/die Künstler*in so stark bewegt, dass er/sie sich damit künstlerisch auseinandersetzen möchte. Tief in dieses Ereignis eintauchend, baut sich die Erinnerung – einem Rhizom gleich – auf, das gleichzeitig von der Vergangenheit als auch von der Gegenwart genährt wird. 

Erinnerungen sind ein unausweichlicher Bestandteil der Beziehung zwischen Israel und Deutschland. Auf welche Weise beschäftigen sich Künstler*innen aus Israel[1] und Deutschland mit diesem Thema? Woran erinnern sie sich und auf welche Weise? Gibt es Unterschiede in der deutschen oder der jüdisch-israelischen/palästinensisch-israelischen Erinnerungskultur? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo sind Differenzen zu spüren? Ist es den Künstlerinnen oder den Künstlern möglich, ihre Erinnerungen, trotz der traumatischen Vergangenheit, wie zum Beispiel der Shoah und der Naqba[2], zusammenwachsen zu lassen, damit in den verschiedenen nationalen Verständnisrahmen ein gemeinsames, im wechselseitigen Dialog befindliches Erinnern entstehen kann?

Diese Fragen werden in dem von uns vorgestellten Ausstellungskonzept untersucht. Der Fokus ist jedoch nicht, die Geschichte im Spiegel der Kunst zu betrachten. Ausschlaggebend ist hier, dass jedes einzelne ausgestellte Werk durch seine Intensität und das Ereignis, auf das es sich bezieht, die Besucher zu Empathie und zur gedanklichen Arbeit herausfordert. Auf diesem Weg verwebt sich die kollektive Erinnerung mit der persönlichen Erinnerung von Künstler*in und Betrachter*in. Aus diesem inneren Dialog soll auch ein öffentlicher werden. In den während der Kunstausstellung stattfindenden Künstler*innen-Gesprächen wird gemeinsam mit den Besuchern generationsübergreifend über die jeweiligen künstlerischen Ansätze und unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema Erinnerung – gemeinsam mit den Besuchern – diskutiert. 

Neben diesen Künstler*innen-Gesprächen finden auch Performances statt. 

Zusätzlich zur Ausstellung werden zu Beginn des Projekts mit jedem Künstler und jeder Künstlerin Interviews geführt. Im Rahmen dieser Gespräche werden Fragen zur Kunst im Allgemeinen und spezifisch zur persönlichen Arbeit gestellt, sowie Fragen, die sich explizit mit dem Thema Kunst und Erinnerung auseinandersetzen. Diese Interviews sollen die verschiedenen Standpunkte und Perspektiven herauskristallisieren und werden Teil des ausstellungsbegleitenden Katalogs, der im Verlag Hentrich und Hentrich (Berlin/Leipzig) veröffentlicht wird. Gleichzeitig werden sie online präsentiert und bilden die Grundlage einer der Öffentlichkeit zugänglichen Plattform, die über die Ausstellung hinaus wachsen soll. 

 

Ziel der Ausstellung:

 

Im Moment besteht ein immer stärker werdendes Unbehagen an den jetzigen Formen der Erinnerungskultur. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann schlägt deshalb ein ganz neues Erinnerungsmodell vor, das des „dialogischen Erinnerns“. Hierunter versteht sie die wechselseitige Anerkennung von Opfer- und Täterkonstellation in Bezug auf eine gemeinsame Gewaltgeschichte. Wie kann Kunst hierzu einen spezifischen Beitrag leisten?

Werke, die sich mit Erinnerungen beschäftigen, werden selbst zu Erinnerungsträgern. Die Künstler*innen erinnern sich an den Moment, in dem die Idee hierzu geboren wurde, und an die Zeit des Entstehens, und eröffnen mit den Werken den Betrachter*innen eine Möglichkeit, an ihren Erinnerungen teilzuhaben. Die Betrachter*innen erinnern sich an die Begegnungen mit dem Werk, an die Empfindungen und Gedanken, die sie dabei bewegten. Bei diesen Prozessen entstehen gemeinsame Erinnerungsräume, in denen intersubjektiv die gegenseitigen kollektiven und persönlichen Erinnerungen miteinander verwoben werden – ein Prozess, der sich über die Zeit kontinuierlich verändert.

Ziel der Ausstellung ist es, zu beleuchten, welche Rahmenbedingungen nötig sind, damit durch den Prozess des künstlerischen Arbeitens von Künstler*innen, die aus Deutschland und Israel stammen – Kulturen mit wechselseitigen traumatischen Erinnerungen –, eine dialogische Erinnerungskultur entstehen kann, die neben dem regulären, verbalen Erinnern einen Raum kreativer und partizipativer Qualität schafft, der dann auch Betrachtende teilhaben lässt.

Im Rahmen dieser Ausstellung soll eines der ersten Kapitel zu dieser gemeinsamen Gewaltgeschichte erzählt werden. Mit Hilfe von Führungen, Künstler*innen-Gespräche und Rahmenveranstaltungen, wie Filmvorführungen und Performances, können die Besucher*innen Teil dieses dialogischen Erinnerungsprozesses werden.

 

[1] An dem Projekt nehmen jüdisch-israelische und palästinensisch-israelische Künstler*innen teil. 

[2] Hierbei handelt es sich um die zwischen 1947–1949 stattfindende Flucht von etwa 700.000 Palästinenser*innen aus dem früheren britischen
     Mandatsgebiet Palästina.